Dieser Brief kam mehr als 100 Jahre zu spät bei Londoner Adresse an


February 17, 2023
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Briefe und Pakete können schon mal ein paar Tage länger brauchen, um ans Ziel zu kommen. Dass sie für eine 185 Kilometer lange Strecke über 100 Jahre benötigen, ist aber durchaus beeindruckend.

Ein Brief, der derzeit die britischen Medien beschäftigt, hat wohl mehr erlebt als manch ein Mensch oder anderer Brief. Schliesslich war er mehr als 100 Jahre unterwegs. Aufgegeben im Jahr 1916 im englischen Bath, kam er erst im Jahr 2021 an – an der rund 185 Kilometer entfernten Londoner Adresse, nicht aber bei der Adressatin. Denn die dürfte nach all den Jahren, die seit der Briefaufgabe vergangen sind, verstorben sein.

Das ursprünglich an Katie Marsh gerichtete Schreiben landete im Postkasten von Finlay Glen. Der Theaterregisseur lebt heute dort, wo March einst zu Hause war: im Wohnbezirk Crystal Palace im Süden von London. Er sei «ziemlich überrascht gewesen», als er erkannt habe, dass der Brief über 100 Jahre alt sei, sagte Glen der BBC (siehe Box). Warum Glen erst jetzt damit an die Öffentlichkeit ging, verrät er nicht.

Über 100 Jahre in direkter Nachbarschaft

Aus welchem Grund der Brief so viele Jahre unterwegs war, ist nicht bekannt. Wie der «Spiegel» schreibt, teilte Royal Mail auf Anfrage mit, dass derartige Verspätungen sehr selten seien. «Und wir sind unsicher, was in diesem Fall passiert ist.» Fest steht: Der Brief hat es innerhalb eines Tages von Bath nach London geschafft – und dürfte sich in den letzten 105 Jahren in der Nachbarschaft befunden haben. Darauf deutet der Stempel vom 7. Februar 1916 hin, ausgestellt im Londoner Vorort Sydenham, der direkt an Crystal Palace angrenzt.

Stephen Oxford von «The Norwood Review» sagte dem «Guardian», er vermute, dass der Brief in der Sortierstelle in Sydenham verloren gegangen sei. Diese sei zwischenzeitlich geschlossen und saniert worden. «In diesem Zusammenhang müssen sie diesen Brief irgendwo versteckt gefunden haben, vielleicht hinter einem Möbelstück.»

Offiziell hat Glen eine Straftat begangen

Grosse Teile des Briefes sind laut «South London Press» kaum zu entziffern. Aus dem leserlichen Teil geht aber hervor, dass der Brief von Christabel Mennell während ihrer Ferien in Bath verfasst wurde. Wirklich geniessen konnte die Tochter eines wohlhabenden Teehändlers diesen aber offenbar nicht. So erklärt sie ihrer Freundin Katie Marsh, sich «ziemlich für mich, nachdem ich gesagt habe, was ich getan habe», zu schämen. Zudem fühle sie sich «hier mit einer sehr schweren Erkältung elend».

Obwohl das Öffnen von Post, die nicht an einen selbst adressiert ist, nach dem Postgesetz aus dem Jahr 2000 eine Straftat sein kann, erklärte Glen in den britischen Medien, dass er es für okay befunden habe, den Brief zu öffnen. Schliesslich sei dieser ja bereits über 100 Jahre alt. «Wenn ich aber ein Verbrechen begangen habe, kann ich mich nur entschuldigen», zitiert ihn die BBC. Sollten sich infolge der Berichterstattung Nachfahren von Absenderin oder Adressatin finden, würde er ihnen diesen Brief gerne übergeben.

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